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bguide Beitrag Februar 2009

Haftung auf der Piste: FIS-Regeln als Gewohnheitsrecht, Haftung von Boardern

Jährlich passieren in der EU etwa ebenso viele Skiunfälle wie Verkehrsunfälle. Doch während für den Straßenverkehr eine Fülle von Vorschriften erlassen wurde und die Haftung für eigenes Verhalten den Verkehrsteilnehmern bewusst ist, erscheint die rechtliche Situation auf den Pisten unklar. Doch auch auf Skipisten gilt das Prinzip: Wer anderen einen Schaden zufügt, hat dafür einzustehen!

Nach internationalem Recht ist grundsätzlich das Recht des Unfallortes einschlägig, nur wenn die Beteiligten ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort in demselben Staat haben, ist das Recht dieses Staates anzuwenden. Fährt also ein Deutscher eine Slowakin in Österreich auf der Piste über den Haufen, gilt österreichisches Recht, kommt auch das Opfer aus Deutschland würde deutsches Recht gelten.

Um diesem Kuddelmuddel zu entgehen hat der Internationale Skiverband FIS (Fédération Internationale de Ski) 10 Regeln aufgestellt (unter http://www.fis-ski.com/de/fisintern/allgemeineregelnfis/10fisregeln.html abrufbar), die jedenfalls in den Alpenländern als Gewohnheitsrecht anerkannt sind und deren Verletzung zu einer zivilrechtlichen Haftung führt.

Diese Regeln gelten auch für Snowboardfahrer! Und wie das Landgericht Bonn 2005 entschieden hat (Az 1 O 484/04) trifft den Snowboarder bei einer nicht näher aufklärbaren Kollision mit einem Skifahrer eine höhere Haftungsquote, da ein Snowboard im Vergleich zu Skiern schwerer sei und dadurch wegen einer höheren Aufpralldynamik bei Kollisionen höhere Verletzungsrisiken berge, gleichzeitig aber schwerer zu steuern und bei jedem zweiten Schwung (backside turn) ein toter Winkel zu berücksichtigen sei.

Übrigens: Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt zwar die Kosten der medizinischen Behandlung, grundsätzlich aber nur im Heimatland sowie in Ländern, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht. Auf den Kosten des Krankenrücktransports und der Bergung – bei Hubschraubereinsatz schnell mal über EUR 3.000 – bleibt der Betroffene zumeist sitzen. Hier hilft eine Reisekrankenversicherung. Und gegen die Haftung bei Unfällen kann eine private Haftpflichtversicherung schützen.


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